Borsten und Borstenmaterial: Rosshaar oder Kunststoff?
Das Borstenmaterial entscheidet, was ein Besen aufnimmt und welchen Boden er verträgt. Wir erklären gespaltene Borsten, Naturhaar und Kunstborste – und wann welches Material die richtige Wahl ist.
📌 Das Wichtigste in Kürze
- Gespaltene Borsten sind an den Spitzen aufgefasert und greifen feinen Staub.
- Rosshaar ist weich und nimmt viel auf – dafür teuer und nichts für Nässe.
- Kunstborsten sind pflegeleicht und wasserfest; ihre Härte reicht von weich bis hart.
- Gummi und Mikroschaum arbeiten nicht mit klassischen Borsten, sondern mit Fläche und Reibung.
- Nicht das Material ist gut oder schlecht, sondern die Kombination aus Boden und Schmutz.
Was gespaltene Borsten sind
Eine glatte Borste hat eine Spitze. Eine gespaltene Borste – die Spitze ist aufgefasert – hat viele feine Enden. Damit bekommt der Besen mehr Kontaktfläche zum Boden und greift Partikel, die eine glatte Borste nur vor sich herschiebt.
Bemerkbar macht sich das bei feinem Staub, Mehl und Tierhaaren. Genau dort nennen die Rezensionen zu den Modellen mit geschlitzten Enden den Unterschied: Der Schmutz bleibt vor dem Besen liegen, statt seitlich wegzuspritzen. Manche Hersteller schreiben „geschlitzt", andere „X-Borsten" – gemeint ist dasselbe Prinzip.
Der Preis dafür ist Verschleiß. Aufgefaserte Spitzen nutzen sich auf rauem Untergrund schneller ab. Für den Innenbereich ist das kein Thema, für die Hofeinfahrt schon.
Naturborsten: Rosshaar, Kokosfaser, Arenga
Naturborsten stammen vom Tier oder aus der Pflanze. Im Haushalt spielt vor allem Rosshaar eine Rolle. Es ist fein, weich und elastisch; ein dichter Borstenbesatz aus geschlitztem Rosshaar nimmt laut Hersteller auch feinsten Staub auf. In den Rezensionen zu unserem Vergleichsmodell aus Rosshaar wird das bestätigt, dazu eine Haltbarkeit über mehrere Jahre täglicher Nutzung.
Die Grenzen sind ebenso klar. Naturhaar quillt bei Nässe, verfilzt und braucht lange zum Trocknen. Für Außenflächen ist es damit ungeeignet. Hinzu kommt der Preis: Der Rosshaarbesen ist der teuerste Besen in unserem Vergleich.
Kokosfaser und Arenga sind die groben Verwandten. Sie finden sich an Straßen- und Schrubbbesen, sind widerstandsfähiger als Rosshaar und rauer zum Boden. In Haushalten mit Hartboden begegnen sie Ihnen selten.
Kunstborsten: PET, PP und PVC
Kunstborsten decken den größten Teil des Marktes ab. Drei Kunststoffe sind üblich, und sie unterscheiden sich vor allem in der Steifigkeit.
| Kunststoff | Härte | Typischer Einsatz | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Polyester (PET) | weich bis mittel | Zimmerbesen, oft gespalten | häufig aus recyceltem Material |
| Polypropylen (PP) | mittel bis hart | Straßenbesen, Hof und Garten | biegsam, verträgt Nässe |
| Polyvinylchlorid (PVC) | hart | grober Außenschmutz | kann empfindliche Böden markieren |
Alle drei vertragen Wasser, trocknen schnell und lassen sich ausspülen. Das ist der eigentliche Vorteil gegenüber Naturhaar. Für Küche und Flur gleichermaßen passt eine mittelweiche Kunstborste am unauffälligsten – für die Terrasse braucht es trotzdem ein eigenes, witterungsfestes Gerät.
Ohne klassische Borsten: Gummi und Mikroschaum
Zwei Ansätze arbeiten ganz ohne klassische Borsten. Beide lösen ein Problem, an dem Borsten scheitern.
Gummi – meist Naturkautschuk – erzeugt beim Kehren eine leichte statische Aufladung und zieht damit Haare an. Das macht den Gummibesen zur ersten Wahl in Haushalten mit Hund oder Katze. Er lässt sich unter fließendem Wasser abspülen und funktioniert auch auf Teppich.
Mikroschaum ist eine feinporige Schaumstofflippe. Sie nimmt Staub flächig auf, statt ihn zu kämmen, und wirbelt dabei kaum etwas hoch. Laut Hersteller ist das auch für Allergiker ein Vorteil. Die Grenze liegt beim groben Schmutz: Für Split und nasses Laub ist Mikroschaum nicht gebaut.
Borstenhärte und Boden: die Zuordnung
Die Faustregel ist kurz: Je empfindlicher der Boden, desto weicher die Borste. Je gröber der Schmutz, desto steifer.
- Geöltes Holz, frisches Parkett: Rosshaar oder feine PET-Borsten, wenig Druck.
- Laminat, Vinyl, Kork: feine bis mittelweiche Kunstborsten.
- Fliesen: mittelweich, gern etwas länger – wegen der Fugen. Auch Mikroschaum passt.
- Beton, Pflaster, Asphalt: steifes PP oder PVC.
- Teppich: Gummi. Klassische Borsten kommen an Haare im Flor nicht heran.
Die Spannweite dazwischen füllt kein einzelner Besen. Wer Wohnung und Hof hat, braucht zwei Geräte – das ist bei Preisen im niedrigen zweistelligen Bereich keine große Entscheidung.
Borstendichte und Länge
Neben dem Material zählen zwei Maße. Ein dichter Borstenbesatz nimmt feinen Staub besser auf, weil weniger Partikel zwischen den Borsten hindurchgehen. Draußen wäre derselbe Borstenbesatz ein Nachteil: Laub und Split würden sich darin verklemmen.
Die Borstenlänge entscheidet über die Elastizität. Lange Borsten geben nach und legen sich an Unebenheiten an, kurze arbeiten mit mehr Druck. Setzen sich lange Borsten dauerhaft schief, hilft meist nur ein neuer Besenkopf. Wie sich das hinauszögern lässt, steht im Ratgeber Richtig kehren.
Jedes Material an einem Beispiel
Zu jedem der fünf Materialien führt unser Vergleich mindestens einen Besen. So sieht die Zuordnung in der Praxis aus:
Redecker Stubenbesen 120330, 30 cm, feines Rosshaar, beölte Buche
Zimmerbesen mit dichtem, geschlitztem Rosshaar und geöltem Buchenholz – laut Rezensionen bodenschonend und über Jahre haltbar, dafür der teuerste Besen im Vergleich.
Vileda Superfeger Classic Besen mit 3-TLG Stiel und Kehrset
Mikroschaum-Besen mit Kehrgarnitur für glatte Böden – nimmt feinen Schmutz zuverlässig auf, ohne Staub aufzuwirbeln; der dreiteilige Stiel löst sich laut mehreren Rezensionen im Gebrauch.
Leifheit Gummibesen Suprabesen, Naturkautschuk, 35 cm
Gummibesen aus Naturkautschuk mit 35 cm Arbeitsbreite – in Rezensionen mehrfach für die Aufnahme von Tierhaaren auf Teppich und Hartboden gelobt; der mitgelieferte Stiel biegt sich laut einer Rezension unter Belastung durch.
Vileda 3Action Besen - Kombination von 3 Borsten - für Staub, groben Schmutz und Haare und für Ecken
Zimmerbesen mit drei kombinierten Borstenarten für Staub, Haare und Ecken – günstigster Besen im Vergleich, wird aber ohne Stiel geliefert.
Gardena combisystem-Straßenbesen: Stabiler Kehrbesen für den Garten und die Wege rund um das Haus, 45 cm Arbeitsbreite, Polypropylen-Besteckung (3622-20)
Straßenbesen mit 45 cm Arbeitsbreite für Hof und Gartenwege – kehrt laut Rezensionen vorwärts und rückwärts gleich gut, wird aber ohne Stiel geliefert; ein passender Gardena combisystem-Stiel kostet extra.
Fazit
Rosshaar oder Kunststoff ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage des Bodens. Auf empfindlichem Hartboden im Innenbereich hat Naturhaar Vorteile, überall dort, wo Wasser im Spiel ist, die Kunstborste.
Wichtiger als das Material ist in beiden Fällen die Machart: gespaltene Borsten, ein dichter Borstenbesatz und eine saubere Befestigung am Besenkopf. Alle Besen mit ihren Materialangaben stehen im Besen-Vergleich.